KMU-Blog

Weblog für Kleinunternehmer und Mittelständler

Der Raub der Wörter (1)Kommentare

Eintrag abgelegt unter: Recht Amtlich — von silkester um 6:20 pm am Juli 4, 2014

Wer Mini auf ein T-Shirt schreibt, mag den Mini Cooper meinen oder aber er bezieht sich liebevoll mit dem Kosewort auf den kleinen Zwerg in der Babywiege, der frisch die Familie ergänzt.

Mini nicht Cooper

Mini heißt schlicht klein auf Englisch und ist ein in vielen Sprachen häufig genutztes Attribut für alles Kleine. Es ist ein niedliches Wort. Der kleine Mini Cooper ist ein kleiner Flitzer, ein grandioser Straßenfloh mit sehr vielen Autofans. Mit Mini ist das Auto treffend bezeichnet und darf ganz klar und unbestritten seinen Markennamen behalten. Dem steht wirklich nichts entgegen und soll hier auch in keinster Weise angezweifelt werden. Es ist eine renommierte Marke der bayrischen Motoren Werke AG und soll in keinster Weise geschmälert werden. Wenn aber der Markeninhaber hergeht und sein Markenrecht auf den dekorativen Gebrauch eines Alltagswortes überträgt und anderen Unternehmen mit Mini-Artikeln per Verfügung untersagen will, dass Menschen ein extrem häufig in sehr vielen Sprachen genutztes Wort auf ein T-Shirt drucken lassen,

  • um es in ihrer Freizeit zu tragen,
  • an Freunde und Bekannte zu verschenken oder
  • zur Bewerbung von Miniartikeln verwenden, die die Marke nicht berühren,

dann geht der Markeninhaber ganz klar zu weit.

Der dekorative Gebrauch der Umgangssprache im geschäftlichen Verkehr ist rechtlich betrachtet vollkommen ok, frei für jedermann (gilt übrigens auch für Bilder und Symbole). BGH und OLG haben bereits vor Jahren festgehalten, dass der dekorative Gebrauch von Bildern, Motiven, Symbolen und Wörtern kein Markenrecht berührt und damit nicht von Markeninhabern per einstweiliger Verfügung unter Hinweis auf registrierte Marken unterbunden werden kann (Theoretisch!!! gemäß geltendem Recht sollte das so sein — praktisch haperts bei einigen Richtern noch am Einsatz ihres gesunden Menschenverstands und dem nötigen Rechtsverständnis — Bitte: BGH!!).

Es kann nicht oft genug gesagt werden: Mini kann für vieles stehen, es ist ein beliebtes Attribut für alles Kleine. Es zeugt von einer unsittlichen Gier ein so extrem gebräuchliches und extrem weitverbreitetes Wort/Atttribut für alle blockieren zu wollen.

Markenrecht behindert Grundrecht

Es mag Grenzfälle geben, wo das Attribut bzw. das als Subjekt genutzte Wort nicht klar von der Marke abgegrenzt werden kann, wie z.B. bei „I heart Mini“. Na und? Es steht den Bayrischen Motorenwerken frei ihren Mini umzutaufen, so dass es nicht mehr mit der Umgangssprache bzw. Walt Disneys Mini Mouse kollidiert. Es geht um ein hohes Gut. Es geht um die Freiheit unserer Alltagssprache. Die Bayern haben eine Marke gekauft, die ein Alltagswort nutzt. Basta! Lebt mit den Konsequenzen. Warum soll die Welt unter eurer Gier leiden und sich von Euch das Wort rauben lassen.

Ich finde genug ist genug! Und das Thema sollte sicherlich nicht mit einem Artikel in dem Branchenmagazin Textilwirtschaft vom November 2013 abgetan sein. Aktuell kann das Wort auf Spreadshirt nicht genutzt werden. Das ist ein weiterer Nagel im Grab des freien Ausdrucks und der Freiheit zum Ausdruck der eigenen Meinung auf dem Medium der eigenen Wahl und mit dem Erfüllungsgehilfen der eigenen Wahl. Die flächendeckende, weltweite über alle erdenklichen Nizzaklassen erfolgte Registrierung eines Alltagwortes, eines Attributes, das in zig Sprachen seit Jahrzehnten extrem gebräuchlich für alles Kleine ist, stellt damit eben nicht nur eine unzumutbare, unsittliche Behinderung im geschäftlichen Verkehr dar, sondern einen groben Eingriff in das Grundrecht. Im Zeitalter des Print-on-Demand und des Internets entartet das Markenrecht viel zu oft, viel zu schnell in eine klar erkennbare Nötigung und greift eben auch in die Grundrechte ein, wenn es dem Bürger Medien und Erfüllungsgehilfen zum Ausdruck der freien Meinung effektiv versagt.


 
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LG HH verfüttert Designer an Abmahnanwälte (0)Kommentare

Eintrag abgelegt unter: Recht Amtlich — von silkester um 5:19 pm am Juni 6, 2014

Laut Beschluss (AZ.: 315 O 132/14) des Richters Dr. Enderlein vom Landgerichts Hamburg vom 9. April 2014 ist es der Antragsgegnerin (aka Frau Schümann aka Franchie) untersagt Bekleidungsstücke mit der Bezeichnung „shopoholic“ anzubieten, insbesondere wenn dies wie nachfolgend wiedergegeben geschieht:

shopoholic T-Shirt

So beschlossen auf Antrag der Kanzlei Meissner & Meissner im Auftrag der Honey Bunny and Pumpkin UG, die die Wortmarke „shopaholic“ (Marke: 011264199 in Kl. 16, 18, 25) hält.

Zwei Besonderheiten die der Richter Dr. Enderlein bei diesem Beschluß willentlich missachtet:

  1. Der Anbieter war die SPRD.net AG, Leipzig, so ordentlich ausgewiesen im Impressum, der User „Franchie“ war und ist auf der Seite als Designer genannt.
  2. Die Prämisse, dass es sich bei dem Text um einen markenengemäßen Gebrauch handelt, d.h. der Durchschnittsverbraucher hat nichts anderes im Kopf als Marken und sieht in dem Wort einen Herkunftsnachweis. T-Shirtleser ignorieren laut dem Verständnis Herrn Dr. Enderleins ihr erworbenes Sprachverständnis und die zig Millionen der Funshirts, die eine Aussage über den T-Shirtträger machen.

Funshirts mit alleinstehenden Selbstauskünften sind keine Seltenheit. Shopaholic ist da keine Ausnahme:

Auszug aus Zazzle shopaholic tshirt kollektion
Auszug aus der Zazzle.com Shopaholic Kollektion von verschiedenen Designern

Unter Shopaholic versteht der Teenager den „Einkaufsexperten und Wirtschaftsförderer“ (also lustige Auszeichnung) und die Mutter der Teenagerin einen Menschen mit einer psychischen Verhaltensstörung (also eine Selbstbezichtigung).

Zum Funshirt mit Selbstauskunft gibt es gar ein Kammergerichtsurteil, in dessen Begründung der Aufdruck des Funshirt korrekt und realistisch gesehen wird:

eine humorvolle Aussage – im Sinne einer Auszeichnung – über den Träger der T-Shirts

(Quelle: KG, Beschluss v. 07.06.2011 – 5 W 127/11 – “Es fehlt bei einem Aufdruck “HELD [Symbol eines Händedrucks] DER ARBEIT” quer über der Vorderseite eines T-Shirts an einem kennzeichenmäßigen Gebrauch”).

Die Schrift hat keine besondere Unterscheidungskraft, es ist die im Internet frei verfügbare Brock Script von Dieter Steffman. Die Position und Alleinstellung eines Begriffs ist auf Funshirt nicht unüblich, man gehe nur einmal in die Google-Bildrecherche für Workaholic oder Chocoholic, um nur zwei von tausenden zu nennen. Was gestern noch ein Funshirt war, kann gemäß diesem und vieler anderer Beschlüsse morgen schon eine Markenfälschung sein.

Designer, die Stockbild Material anbieten und auf zig Websiten ihrer Kunden als Designer genannt sind, können gemäß diesem Beschluß für die Markenrechtsverletzung, die mit ihren Designs von ihren Design-Kunden begangen wurden, in die (Mit)Verantwortung genommen werden.

Ein ganz schön fataler Beschluß, den Dr. Enderlein vom Landgericht Hamburg nicht zurücknehmen will, mit weitreichenden Folgen für Freiberufler, die mangels ausreichender finanzieller Mittel sich einem solchen Fehlbeschluß genötigter Weise unterwerfen müssen.

Die Staatsanwaltschaft nimmt sich dieser Form der Nötigung, die jährlich Millionenschäden anrichten, leider nicht an. Der Beschluß geht an der Realität vorbei aber kriminelle Energie, darf darin nicht gesehen werden, noch nicht.

Alltagssprache auf T-Shirts, siehe auch:


 
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Drucken und Verkaufen verboten (0)Kommentare

Eintrag abgelegt unter: Recht Amtlich — von silkester um 11:05 am am Juni 4, 2014

Die Aufregung unter den Hobbydesignern, Freelancern und Mathematik-Geeks in Amerika ist groß, hat doch ein New Yorker es gewagt in der Nizzaklasse 25 (Textilhandel) das Pi-Symbol mit Punkt als Marke registrieren lassen und versucht nun allen das Drucken und Verkaufen von Pi auf T-Shirts zu verbieten.

Hätte es nicht tausende von T-Shirts von hunderten von Freiberuflern und die eine oder andere Studentenverbindung betroffen, es wäre so unbemerkt geblieben wie die Masse der Wortmarken in Deutschland bzw. in Europa.

Anders als in den USA kostet es gleich eine Stange Geld, wenn man sich in das Gehege einer Wortmarke begibt. Nicht nur das angemeldete Wort ist geschützt auch solche die eine Verwechslungsgefahr darstellen können.

Druck und Verkauf u.a. über Print-on-Demand verboten auf T-Shirts (Nizza 25) sind u.a.:

Chillen & grillen, Shopaholic, Evolution, Party Animal, Bitch, Mutter, Hotel Mama, Pirate, Angel, Platzhirsch, Alles Banane, Daddys Girl, LOL, @, etc. …

Dies ist nur eine kleine Auswahl. Nicht selten versuchen T-Shirtanbieter andere Shirtanbietzer mit populären Sprüchen und Motiven über Markenanmeldungen vom Markt zu drängen, z.B. mit „Loading … please wait.

Das Markenamt ist nicht einmal verpflichtet eine einzige Google-Abfrage zu starten um eventuelle Freihaltungsgebote zu prüfen. Das Markenamt hätte zahlreiche Gründe gefunden, warum eine Eintragung nicht möglich ist. Die Zeche zahlen die Anbieter mit den älteren Rechten, wenn sie sich gegen Abmahnungen wehren müssen.

Einmal davon abgesehen, dass Wörter der Umgangssprache (direkte Entsprechung und Ähnliches, soweit Verwechslungsgefahr besteht) und generische Symbole, wie Abdücke von Hundepfoten, der Lorbeerkranz, das Yin Yang Zeichen oder das Symbol für die Kreiszahl Pi großflächig auf einem T-Shirt keinen markenmäßigen Gebrauch darstellt. Aber erklär das einmal einer den Richtern vom Landgericht.


 
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Ist das Symbol Pi jetzt ein Markenzeichen? (0)Kommentare

Eintrag abgelegt unter: Recht Amtlich — von silkester um 5:13 am am Juni 3, 2014

Pi-Symbol Ein New Yorker nahm das Pi-Symbol, das in der Wikimedia unter der Public Domain (gemeinfrei) publiziert ist, setzte einen Punkt hinter das Symbol und registrierte das Bild erfolgreich in der Nizza-Klasse 25 mit dem amerikanischen Markenregister im Januar 2014.

Soweit stellt all dies kein Problem dar.

Markenanmeldung Pi-Abbildung

Als aber ein Anwalt im Auftrag des New Yorker mit einer Cease&Desist Note, vergleichbar mit einer Abmahnung, Print-on-Demand Anbieter wie Cafepress und Zazzle aufforderte alle Textilien mit dem Symbol Pi von deren Plattform zu nehmen, überschreitete dieser sein Recht, das mit dieser Marke in Verbindung steht. Hierzu die Meinung des Professors des Rechts an der Stanford Universität Mark Lemley:

„If you want to sell T-shirts and on the tag your brand name is the symbol pi, I think that’s a reasonable trademark, but if what you want to do is actually prevent people from using the symbol pi on a T-shirt, then I think you’re missing the point of trademark law.“

Quelle: Wired.com: Pi takedown

Ich und wohl die Mehrheit der Bevölkerung teilt Professor Lemleys Ansicht, dass das Markenrecht die Herkunft einer Ware schützt und Herkunftslabel im Kragen mit der Grafik exklusiv dem New Yorker zustehen, nicht aber berechtigt es ihn Händler daran zu hindern T-Shirt mit dem Aufdruck eines Pi-Symbol zu verkaufen. Es geht gegen den Sinn und Zweck des Markenrechts.

Was brachte nun die Onlinegemeinde auf die Barrikaden? Es fing damit an, dass Zazzle auf die Abmahnung mit Gehorsam reagierte und tausende von T-Shirts mit dem Symbol entfernte, ungeachtet ob eine Verwechslungsgefahr bestand oder nicht.

Damit agierte Zazzle als Regulator ungeachtet des geltenden Markenrechts und es erforderte schon einigen Protest bis zwei Tage später Zazzle seine Aktion zurücknahm und alle T-Shirts zurück auf die Plattform stellte.

Die Marke gilt nur in Amerika und man könnte meinen, dass dies nur die Amerikaner betrifft. Zazzle unterscheidet keine Länder, wenn es um deren Angebot geht. T-Shirts sind in allen Ländern publiziert oder keinem. Zazzle behinderte für eine regionale Marke seine Geschäftspartner weltweit. Zazzle entfernte weit mehr als erforderlich, selbst wenn man davon ausginge, dass eine Marke den Lanham Act (Regelung bei Verwechslungsgefahr) auf das Symbol Pi anwenden könne.

Dass Zazzle so radikal reagierte liegt in erster Linie daran, dass in der Vergangenheit unzählige Richter ihren gesunden Menschenverstand zuhause ließen und generische Zeichen und Begriffe als Deko auf Waren gedruckt als Markenzeichen interpretiert haben. Viel zu oft brachte ein solcher Streit nichts als Ärger und Kosten und am Ende mussten auf richterlichen Beschluss die Waren vom Marktplatz genommen werden.

Dies ist kein Problem der Amerikaner allein. Auch in Deutschland wird in einer verächtlichen Häufigkeit zu Gunsten der Marke entschieden. Defacto gehört unsere Umgangssprache im Handel den Markeninhabern und wer sie nutzen will zahlt entweder Lizenzgebühren oder unterlässt es und Kunden haben damit überteuerte Waren und eine eingeschränkte Auswahl, wenn überhaupt eine Auswahl existiert, denn der Markeninhaber hat fünf Jahre Zeit seine Marke zum Markt zu tragen.

Das Markenrecht ist nicht zeitgemäß und es ist ein verdammtes Ärgernis, dass Richter sich vehement weigern die Realität der Wahrnehmung zur Kenntnis zu nehmen.

Wie im Fall Pi wird bei generischen Symbolen und der Wörtern der Umgangssprache das Markenzeihen als Markenzeichen nicht erkannt. Das Markenzeichen mit der Registernummer 85785006, das eine Form enthält, das dem Symbol Pi gleicht, aber eben nicht das Symbol Pi ist. Jenes Markenzeichen wird mit dem Symbol Pi verwechselt und nicht umgekehrt. Pi ist kein Markeinzeichen, es existiert nur ein Markenzeichen, das so aussieht.

Das Symbol Pi ist keine Marke.


 
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Landgerichtlich als Marke gefestigt, na bravo! (0)Kommentare

Eintrag abgelegt unter: Marketing,Recht Amtlich — von silkester um 1:08 am am April 24, 2014

Landgerichtlich betrachtet ist die Selbstbezichtigung zu einer psychischen Störung quer über die Brust auf ein T-Shirt geschrieben ein Markenkennzeichen und genießt den Schutz des Markenrechts.

Sehr geehrter Herr LG-Richter,

ist ihnen der Unterschied zwischen einer Selbstbezichtigung und einer Marke bewußt?

Haben sie über diesen Unterschied überhaupt schon einmal nachgedacht? Haben sie über den Wert einer Marke nachgedacht, die in der Öffentlichkeit nicht als Marke, sondern eben als Selbstbezichtigung wahrgenommen wird? Üblicherweise verlieren Marken ihren Markenstatus, wenn sie in der Öffentlichkeit nicht als Marke wahrgenommen werden. Haben sie sich Gedanken gemacht, als sie ihre folgenreiche Unterschrift und den amtlichen Stempel auf den Beschluß setzten, welchen Marktwert eine solche Marke haben kann? Ist eine Marke wirklich schutzwürdig nur weil das Patent- und Markenamt diese ungeprüft eingetragen hat und ein Jahr lang keiner merkte, dass schon wieder eine unwürdige Marke im Register gelandet ist und niemand widersprach?

Wird eine Marke schutzwürdig, weil windige Trittbrettfahrer sich an populäres Kulturgut hängen und auf flüchtigen stark viralen Memes reiten, die den Übergang in kultige Umgangssprache mit hoher Verbreitung schafften? Wird ein Wort unserer Alltagssprache aus dem Duden in jedem Kontext auf Ware gedruckt gleich zur Marke und damit schutzwürdig, allein schon weil es im Markenregister eingetragen ist?

Prüfen sie keine Umsätze, verlangen keine Marktforschungsumfrage oder sonst einen Nachweis, um den Markenwert prüfen bzw. beurteilen zu können? Was macht ein Urteil vor dem Landgericht rechtens, bei einer Marke, deren Widerufsfrist vor dem Patent- und Markenamt kaum einen Monat abgelaufen ist und für das in keinem größeren Medium in all der Zeit seit seiner Anmeldung Werbung gemacht wurde? Hätten sie mich gefragt, ich hätte ihnen sagen können, dass ohne Werbung auf einer sehr Umsatzstarken Webseite der Umsatz gleich Null ist. Der Wunsch nach Selbstbezichtigung war nicht festzustellen, noch lässt sich daraus eine vermeintliche Verwechslungsgefahr mit dem „Markenprodukt“ und ein finanzieller Verlust aus den Umsätzen herleiten. Dieser Umsatz lässt keinen Schluß zu, dass wettbewerbsrechtlich irgendwer irgendwie irgendwen sittenwidrig ausgenutzt hätte. Der Umsatz lässt allerdings stark am veranschlagten Wert der „Marke“ Zweifel aufkommen.

Es kann also wohl nicht der Umsatz sein, es ist nicht das Ranking in Google, es ist nicht die Bekanntheit als Marke, wenn die Marke nicht als Marke wahrgenommen wird. Daran ändert auch ein im Jahr 2000 erschienenes humorvolles Buch mit der psychischen Störung im Titel und eine amerikanische Filmkomödie aus dem Jahr 2009 nichts, die das Googleranking neben Selbsthilfegruppen anführen. Angesichts der Nizzaklassen 16, 18 und 25 sind es kaum die Entwicklungskosten und ohne Werbung ist es auch nicht das Marketingbudget, die den Wert der Marke ausmachen könnten.

Der Träger eines T-Shirts mit der Selbsbezichtigung einer psychischen Störung quer über die Brust will mit Sicherheit kein Statement zur Güte, Qualität und Zugehörigkeit einer Marke in unserer Markengesellschaft machen, wenn die junge Wortmarke mit ähnlichem oder gleichem Wortlaut wie ein Bekenntnis, eine Selbstbezichtigung oder eine populär-/pseudowissenschaftliche Diagnose unserer Alltagssprache lautet. Leisten sie nicht der Monopolisierung der Sprache, der Knebelung der freien Meinungsäußerung und der Unterdrückung des künstlerischen Ausdruck vorschub und werden zum Handlanger einer zweifelhaften Wirtschaftspraxis?

Schützen sie mit Urteilen, bei den vorgenannten Rahmenbedingungen, in denen sie unverhältnismäßig mit einer bis zu einer 1/4 Millionen Euro hohen Vertragsstrafe oder ersatzweise 6 Monaten Haft und im Wiederholungsfall gar mit einem Jahr Haft drohen, wirklich Unternehmer und Wirtschaft oder behindern sie schlimmer als mit den Zollschranken des Mittelalters, die freie Entfaltung der Wirtschaft und verhindern damit am Ende Steuereinnahmen von vielen tausenden Kleinunternehmern. Denn es sind die Kleinunternehmer, die bei einer solchen Bedrohungslage das Handtuch werfen und angesichts der herrschenden Landgerichtspraxis mit der leidigen Anwaltspflicht oft noch vor der Rechtssprechung dem Unrecht vorschub leisten. Ist es nicht blauäugig zu glauben, dass Selbstständigkeit bedeutet, dass man sich einen Streit vor dem Landgericht bei jedem beliebigen Wort, das unter Wortlänge in der Potenz als Variation eben auch als Wortmarke in der eigenen Branche im Registergericht vorkommen kann, austragen könne. Die Streitkosten sind unverhältnismäßig, die Anwaltspflicht nicht selten eine staatlich sanktionierte Nötigung.

Wie ist all dies mit der Würde ihres Amtes vereinbar?
Es zeugt in meinen Augen von einer wenig achtungswürdigen Urteilskraft, wenn ihnen diese Diskrepanzen bei der Unterschrift unter das Urteil nicht aufgefallen sind. Ich möchte glauben, dass sie in ihrem Amt __nicht__ gedankenlos per ewig gleichem Formschreiben diese kleinen Markensachen abstempeln und ewig gleich aburteilen.
Ich will in die Ehrbarkeit des Richteramtes glauben. Das ist nicht leicht, wenn man über die Abmahnpraxis im Markenrecht einmal nachdenkt.

Sind ihnen und Kollegen derart Diskrepanzen in solchen Fällen bewußt und lassen diese wider besseren Wissens grundsätzlich an den Landgerichten zu? Stehen sie wirklich hinter diesen Urteilen, trotz aller Widersprüche? Ist Richtern an Landgerichten ihre Zeit nicht wichtig? Glauben Richter an Landgerichten nicht, dass das Landgericht für andere Aufgaben geschaffen wurde, als Kleinunternehmer in die Markenpfanne zu hauen und Kanzleien mit zweifelhafter Ehrauffassung durchzufüttern? Kann es richtig sein, einen Terminstau durch die Beliebigkeit, mit der Abmahnungsfälle von jeder kleinen 08/15-Marke, die frisch die Widerspruchsfrist hinter sich hat, am Landgericht zugelassen wird? Es beschleicht so manchen der Verdacht, dass das Landgerichte ihre Kassen billig füllen, in dem sie ohne Ansehen alles zulässt, solange nur das Abmahnschreiben der Kanzlei die magische Zahlen 5100 Euro Vertragsstrafe bei 50.000 Euro Markenwert enthält.

Ich frage mich, ob die Dienstaufsichten der Landgerichte nicht tief und fest schlafen, solange dies die gängige Praxis ist und bleibt.

Ein Letztes: nur weil eine Nichtjuristin auf ein Anwaltschreiben antwortet, heißt das noch lange nicht, dass die Nichtjuristin überhaupt für den Schlamassel verantwortlich gemacht werden kann. Sie haben es versäumt im Impressum nachzusehen, wer für das Angebot verantwortlich ist. Sie haben ihre sorgfaltspflicht vernachlässigt, würde ich da sagen. Irren ist menschlich, wenn aber ein Richter einen Beschluß fasst, der nur mit einem Anwalt kostenpflichtig richtig gestellt werden kann, darf man schon erwarten, dass der Richter die Fakten prüft / prüfen lässt.


 
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Sendepause ohne Ende

Eintrag abgelegt unter: Intern — von silkester um 1:21 am am Februar 16, 2012

Das KMU-Blog wurde auf einen neuen Server gezogen. Inhaltlich nichts neues an der Front.

Im KMU-Blog bleiben bis auf weiteres alle Aktivitäten auf Eis. Da das KMU-Blog im Web-Archiv konserviert ist, gibt es eine Planänderung. Die ollen Kamellen werden nicht mehr eingestellt.

Sollte es hier weiter gehen, dann mit frischem Elan und neuem Material. Vorläufig würde ich nicht darauf warten.


 
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Hallo Welt!

Eintrag abgelegt unter: Allgemein — von silkester um 10:22 am am Februar 3, 2010

Das KMU-Blog ist zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt abgestürzt. Die Wiederherstellung der Datenbank stellt sich als schwieriger dar als erwartet, da auch die vorhandenen Backupdaten sich als unbrauchbar erwiesen.  Das heißt nicht, dass sich das KMU-Blog nicht wieder herstellen lässt. Das heißt nur, dass die Wiederherstellung neben der bereits verstrichenen Zeit nun noch länger dauern wird als ich es mir wünsche.

Aber nicht verzagen. Es wird wieder hergestellt. Was danach folgt, eine Wiederaufnahme der redaktionellen Beiträge oder eine Neuorientierung ist derzeit noch nicht entschieden.

Genug mit dem mageren Lebenszeichen, von meiner Seite. Ich habe nun mit der Wiederherstellung zu tun und bin im Webarchiv – Text und Bild fischen. 😀 Das nennt sich dann Backup mit Hand am Arm und Finger auf der Tastatur und einem gefühlt endlosen copy&paste.


 
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Underdog PR oder denke strategisch

Eintrag abgelegt unter: Außendarstellung,Kommunikation,Marketing — von silkester um 1:43 pm am September 22, 2007

Vorgestern ging die erste Staffel einer amerikanischen TV-Show zuende – Burn Notice (aktuell für Deutsche ohne privates Pay-TV mit 300 Kanälen – noch – nur im Internet verfügbar). Diese Show nutzt Overvoice und kommentiert wie in einem Trainingsvideo für Spione, warum und wieso etwas passiert, warum und wieso der Held der Serie (ein frischer Ex-Spion) die kommende Strategie verwendet. Auch wenn diese Serie ein reines Feierabendvergnügen (also Brainswitchoff) ist, so wird man beiläufig doch in eine bestimmte Weise zu denken hineingesogen. Heute nun entdecke ich im Netz eben jenes strategische Denken im Geschäftsleben. Das ist einen Link und einen Kommentar wert:

Sex, Rock’n Roll und die Presse

Robert schlägt vor den Marker “von öffentlichem Interesse”, den die Presse Unternehmen wie z.B. eBay gibt, die einen gewissen Umsatz machen und eine bestimmte Kundenzahl besitzen, sprich bei der das Unternehmen nicht mehr der Presse nachläuft, sondern die Presse dem unternehmen nachhechelt. Ein Stripper ist peinlich aber wie die Flitzer im Footballstadium immer wieder ein Bild in der Yellowpress wert. Jene Presse, an der die Masse nicht vorbeiläuft und die größte Breitenwirkung hat. RTL hat einmal mit TuttiFrutti einen ähnlichen Start hingelegt und kämpft bis heute den TuttiFrutti-Flair wieder loszuwerden.

Kleine Fische unter Haien

Was war geschehen? Worum geht es? eBay, das allen bekannte Online-Auktionshaus mit einem nervenden, penetranten Werbeauftritt, wirbt mit jedem Google-Suchbegriff in den “Adwords”, das Quote verspricht. Da hier Maschinenalgorythmen arbeiten und keine Menschen, wird mit viel Unsinn geworben und immer wieder wird hierbei das Wettbewerbsrecht verletzt, was eBay nicht kratzt, solange nur der Return of Investment stimmt. Eine Abmahnung von einem Underdog und noch junges Unternehmen, dessen Suchbegriff und Markenname zeitweilig in google heißläuft und in die eBay-Adword-Kampagne rutscht, wird als notwendige Investition ohne mit der Wimper zu zucken in einem Konzern von der Größe eBays hingenommen. So etwas gehört zum normalen Budget. Außerdem hat man eine eigene Rechtsabteilung, die die Kosten so gering wie möglich hält.

Das Startup in diesem Fall edelight gewinnt kaum, wenn es schlicht abmahnt. Dessen ist sich das Unternehmen bewusst – Aufruf: Sollen wir ebay abmahnen oder aufkaufen?

Ergo werden bessere Optionen gesucht. Als Insentiv für die Web-2.0-Berater aus Pool der Blogger (der longtailSchwarmintelligenz) wird außer dem guten Gefühl, einem Newcomer gegen den großen Fisch geholfen zu haben, nicht viel geboten (mag nach diesem Hinweis noch nachbessert werden ;-) ). Als mehr oder weniger unbeteiligte Beobachterin (ich biete keinen Vorschlag.) ist das schlicht ein Spaß, wie die eingangs erwähnte TV-Show. In jedem Fall ist es wert ein Auge darauf zu werfen und es an dieser Stelle als Denkanstoß zu präsentieren.

Ein letztes noch …

Wer oder Was ist edelight?

edelight ist Deutschlands erstes Shopping- und Geschenke-Portal, das sich vollständig der Idee des Social Shoppings widmet. Auf edelight können Sie Ihre Lieblingsprodukte und Geschenkideen empfehlen, sich Ihre Wünsche erfüllen lassen oder einfach in den persönlichen Empfehlungen anderer Menschen stöbern.

Quelle: Über edelight


 
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Schützen Sie sich vor dem Finanzamt

Eintrag abgelegt unter: Absicherung,Kalkulation,Planung,Recht Amtlich — von silkester um 1:40 pm am Mai 13, 2007

Es ist Finanzamtszeit. Im Unternehmen kriselt es leicht. Zahlungen treffen nicht wie erforderlich ein. Eigentlich ist es nur eine Frage von ein paar Wochen, da ein paar laufende Aufträge bereits vom Ende der Krise künden. Es hatte in letzter Zeit häufiger gekriselt und mit dem Finanzamt existiert eine Ratenzahlung für Steuerschulden aus einer Vorsteuervorauszahlung. Angesichts der Verluste der letzten Monate dürfte sich das Thema schon erledigt haben, doch nun schlägt Murphy zu. Auf dem Konto ist noch nicht genug Geld, im Postkorb sind Zahlungsaufforderungen von Kassen, Lieferanten und zwei sich widersprechende Bescheide. Einer davon beinhaltet eine Steuerschuld, der anderen spricht von einer Steuerschuld von 0,00 Euro. Was tut der Unternehmer, er hält die Zahlung erst einmal zurück bis er klären kann wie hoch die Steuerschuld nun eigentlich ist, schließlich gibt es genug andere Sorgen und letztendlich ist in ein paar Wochen das Thema endlich vorbei, dann gibt es sogar ein wenig Rücklagen.

Das Finanzamt prüft seine Bescheide auf Zahlungseingänge und da man hart durchgreifen will und es den Pappenheimer einmal so richtig zeigen möchte, werden die Konten gesperrt. Und weil man dies kurz vor der Ratenvereinbarung schon einmal mit einem sehr hohen Betrag exzerziert hatte, nimmt die Mitarbeiter des Finanzamts einfach kurz einmal den alten Vorgang und blockiert die Konten mit einem Betrag der 7-fach über dem der tatsächlichen Steuerschuld liegt.

Zeige man mir eine Bank, die angesichts dieser Umstände nicht nervös wird. So etwas gefährdet Kredite. So etwas macht es schwierig Banken zu wechseln. Und so etwas macht Interessenten nervös, wenn z.B. die Unternehmenspräsenz für 14 Tage mit dem Hinweis geziert wird, dass die Domain gesperrt sei, wenn das Telefon vom Netz geht. Alles Folgen der Sperrung. Fahrzeuge stehen still, denn Bezingeld wird knapp.

Wer macht sich angesichts solcher Szenarien keine Gedanken, wie man sich und sein Unternehmen schützt. Wer jetzt denkt, dass das Szenarium fern aller Realität sei, dem sei gesagt, dass eine Unternehmerin in meinem Umfeld aktuell einen ganz ähnliche Geschichte erlebt und obwohl bereits der Vorgesetzte im Finanzamt nach einer Beschwerde seine Mitarbeiter zurückgepfiffen hat, die Bank ein Fax erhalten hat, ist das Konto noch nicht wieder frei. Weitere Zahlungsverpflichtungen und Abbuchungsaufträge werden in Mitleidenschaft gezogen.

Das Internet und das Ausland bietet Schutz in vielerlei Hinsicht. Es hat in den Routinen nicht notwendiger Weise die Schufaabfrage, dem Finanzamt fehlen die einfachen Zugriffsmöglichkeit und so können Depots mit Notreserven einem Unternehmen in einer solchen Krise das Gesicht wahren und den Betrieb noch ein paar Wochen über das schlimmste hinweg helfen und man kann Einnahmen umleiten um Geldflüsse so steuern zu können, dass der Betrieb nicht schließen muss.

Dabei geht es nicht um Steuerhinterziehung, sondern nur um die Notwendigkeit auch Zahlungsverpflichtungen neben dem Finanzamt nachkommen zu können.

Schlimm, dass man überhaupt in dieser Richtung Vorsorge treffen muss und zwar auch und im Besonderen, weil von diesen Kontensperrung wider deutscher Rechtssprechung i.R. auch Pfändungsgrenzen nicht ausgenommen sind.

Kleinunternehmer haben in der Regel nur ein Privat- und ein Geschäftskonto, die beide von heute auf morgen durch das Finanzamt gesperrt werden könnten. Von heute auf morgen ist alles, worüber ein Kleinunternehmer in solchen Fällen verfügen kann, das was noch in seinem Geldbeutel an Bargeld ist und das ist angesichts der Kreditkartenzahlung allerorten heutzutage herzlich wenig.

Wohin mit dem Notreserve-Geld? Dahin z.B.: Top-Konditionen bei Spareinlagen


 
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Vorsicht Post vom Anwalt

Eintrag abgelegt unter: Recht Amtlich — von silkester um 12:33 pm am Januar 31, 2007

Was die Werbebranche freuen wird, verärgert den Rest der Welt gleich um so mehr. Es wird sich keiner mehr Leisten können postwurfähnliche Sendungen ungeöffnet als lästigen Spam direkt in die Mülltonne zu entsorgen.

Vorsicht Postwurfsendung vom Anwalt
(Adresse, und Barcode anonymisiert, in Originalgröße auf Flickr abrufbar, einfach auf den Umschlag klicken)

Der fehlende Poststempel macht Rückdatieren einfach. Die Fehlende Kennzeichnung, dass es sich hier um ein Schreiben einer Kanzlei handelt ist perfiede. Die Tatsache, dass der Zustelldienst (pin mail) insbesondere für Werbesendungen bekannt ist, die nicht wenige auf direktem Weg ungeöffnet dem Altpapier zuführen, nach meinem Empfinden mehr als hinterhältig. So verpasst man wichtige Widerspruchsfristen und ermöglicht dem Gegner in der Rechtsfrage einen einfachen Sieg.

Denn eine unwidersprochene Mahnung ergibt einen pfändbaren Titel ungeachtet der Tatsache, ob die Forderung je berechtigt war und ob der Angemahnte jemals Kenntnis von der Forderung hatte, ja ob er überhaupt jemals mit der fordernden Partei Kontakt hatte. Ein Eldorado für Trickbetrüger. Angesichts der zahlreichen Dienstleistungen die man per Onlineformular buchen kann und häufig schon als anerkannte Beauftragung für wahr genommen werden und damit selbst von seriösen Inkasso-Unternehmen akzeptiert werden, eine schöne Bescherung.

Ich kann nur hoffen, dass die Kanzlei Axmann und Kollegen sich der mangelnden Ethik dieser Versandart entsinnt und davon wieder Abstand nimmt oder doch zumindest Sorge trägt, dass sie als Absender kenntlicher gemacht werden. Zumindest sollte man hier einen Riegel vorschieben! Ich nehme gerne sachdienliche Hinweise entgegen, ob und welche Möglichkeiten hier gegeben und geboten sind, um diesem Missstand ein Ende zu bereiten.


 
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