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Der Skaleneffekt  |  Wie steht’s mit dem Kapee?

Realignment oder Redesign? … ist die Site dann verstümmelt?

Eintrag abgelegt unter: Kommunikation,Marketing — silkester at 7:44 am on Freitag, November 11, 2005

“Good Designers Redesign, Great Designers Realign” titelte kürzlich A List Apart. Was heißt das? Und was hat es mit dem anderen Artikel Design Choices Can Cripple a Website auf sich? Muss das alles so häßlich sein?

Realign heißt, das Design als Ausdruck einer Philosophie und der Identität zu verstehen und bei Veränderungen derselben, das Design den neuen Gegebenheiten anzupassen und darf auch ein komplett neues Redesign beinhalten, wenn dies dem Unternehmen dient. Wer darüber hinaus Lust auf Redesign verspürt, sollte sich eine Hobbysite zulegen und dort nach Herzenslust redesignen.

Eine gute Marke beinhaltet Kontinuität. Würde man aus dem tiefsten Sibirien einen der deutschen Soldaten nach Deutschland holen, der damals sein Glück dort fand und nie nach Deutschland zurückkehrte, er würde die Marke Persil noch immer als die Waschmittelmarke seiner Jugend wiedererkennen, auch wenn er ansonsten seit her nie mehr eine Persil-Werbung gesehen hätte. Persil hat nie ein Redesign gemacht, sondern stets ein Realign.

Der Title “Design choices can cripple”, also die Wahl der Designelemente kann eine Website verstümmeln, verstehen viele (Web-)designer bei der Wahl der gezeigten Beispiele, etwas schräg, ich eingeschlossen, wobei das der erste Moment war. Kein Problem, es ist einzusehen, dass Verkaufszahlen für sich sprechen, aber das Herz blutet, wenn nun alle Websites wie in dem gezeigten Beispiel B in eine Wühlkiste des Walmarts verwandelt werden sollen. Muss nicht sein. Wirklich.

Ich zähle selbst zu den Designern, die lieber sterben, als einen gewissen Grad der schönen Gestalt zu verlassen. Das ist — gepfiffen und getrommelt — ein Tusch tadaaah — überhaupt nicht nötig.

Wodurch zeichnet sich das Design des Verkaufsschlagers “Beispiel B” aus?

Es stellt in den Mittelpunkt die zentrale Ansprache, die bei den Beispielen A und C fehlen. Mit der Frage “Wollen Sie das und das?” wird ganz konkret gefragt und wer hier ja sagt, der wird nun klar und gezielt suchen, wie er dieses Ziel auf dieser Seite erreichen kann.

Genau daraufhin wurde nun gestern spät in der Nacht auch die Eingangsseite in der Templaterie überarbeitet. Wer den Screenshot der Templaterie mit Beispiel B vergleicht, stellt fest, dass zentrale Elemente übereinstimmen. Die Frage, ob man dieses oder jenes wolle und die Aussicht auf das, was man gewinnt und eine einfache klare Handlungsaufforderung.

Wenn man beides vergleicht, stellt man fest, dass eine Seite bei der Integration jener Elemente durchaus auch aufgeräumt sein kann. Ohne Frage, am Ende zählt das Ergebnis. Deswegen man muss dennoch nicht aus der ganzen Welt einen Hamburger Fischmarkt mit bis zur Heißerkeit brüllenden Bananenhändlern machen. Häßlichkeit und penetrante Aufdringlichkeit ist kein erstrebenswertes Ziel.

Man kann auch stilvoll führen und seinen Webauftritt fokusiert und ansprechend gestalten. Design, Marketing und Vertrieb sind hier gefordert eng zusammen zu arbeiten und in einem Workshop:

  1. Ziele definieren (Marketing)
  2. Kunden ansprechen (Vertrieb)
  3. Gespräch führen (Design)

Ihre Website ist immer ein Ort der Entscheidung: “Lesen oder Weiterklicken”. Ob die Website zum besten Verkäufer im Unternehmen wird, hängt von der Optimierung ab. Mehr zum Thema Verkaufsgespräch über die Website, findet man auf den Seiten des Beraters Christian Rothe (designtechnisch, könnte man daran noch etwas feilen, wenn man mich fragt.), der sich mit den Seiten des Max Zorno im Netz einen Namen gemacht hat.

Ist das der einzige Weg?

Nein, Realign — die Ausrichtung auf die Unternehmensidentität und die Unternehmensziele kann auch etwas anderes bedeuten. Mit Kultstatus, erübrigt sind das Gespräch. Ganz im Gegenteil, wer sich auf die Ebene des Kunden begibt, verliert seinen Status des besonderen. Kult heißt ganz vorne an der Spitze sein und gnädig teilhaben zu lassen. Das ist die Apotheose. Der Experte, der in höheren Sphären weilt und der von denen, die sich die Elite leisten können, gebucht wird.

Sich im Netz als Authorität auf einem Gebiet zu profilieren bedeutet, schneller, brillianter und klarer, origineller, originärer in der Präsentation zu sein. Es erfordert, mit seinen Beiträgen zum Gesprächsstoff zu werden. Erst wer in aller Munde ist, wird über diese Form der Vermarktung auch zum Ergebnis kommen. Dies kann im Gespräch erfolgen und muss nicht unhöflich sein. Aber es ist die Ebene des Experten und auf seinem Gebiet und der Mut zur Lücke sollte dann souverän erfolgen. Zuviel heiße Luft und man wird irgendwann (meist zum falschen Zeitpunkt) unsanft vom hohen Ross gestoßen.

Die Frage, welcher Weg der Bessere ist, eine Frage des Produktes.


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