KMU-Blog

Weblog für Kleinunternehmer und Mittelständler

Göttergattensubvention

Eintrag abgelegt unter: Kalkulation,Marketing — von silkester um 11:55 am am Dezember 27, 2006

Ein Unternehmen aufbauen ist keine leichte Sache. Da hilft es, wenn man sich wenigstens nicht um den Lebensunterhalt sorgen machen muss. Viele Jungunternehmerinnen könnten also diese Position vollkommen aus ihren Kalkulationen herausnehmen. Eine Position bei der ich Rate, diese in der Kalkulation zu belassen und zwar in letzter Konsequenz. Zwar kann man seine Krankenkasse erfolgreich über Jahre anschwindeln und so kuschelig versorgt in der Familienversicherung verweilen, doch wehe die Krankenkasse geht auf die Jagd nach den schwarzen Schafen. Frau kann sich das monatliche Gehalt stunden und sich über die “Gewinnausschüttung” kurz vorm nächsten Urlaub so richtig freuen.

Schaut man sich aber die Preisgestaltung der einen oder anderen göttergattensubventionierten “Unternehmerin” genauer an, so fragt man sich, wie diese Preise ein tragfähiges Unternehmenskonzept selbst mit diesen Subventionen ergeben.

Bei aller Liebe, auch wenn man die persönlichen Lebenshaltungskosten, Rentenzahlungen und laufenden Mieten ausixt, so fallen immer noch Kosten für das Unternehmen an. Da ist der Computer, der Schreibtisch, die Ecke oder gar das Zimmer im göttergattenfinanzierten Heim, da sind Aufwendungen für Strom und Heizung für diesen Arbeitsbereich, da ist Büromaterial, da sind Fahrtkosten zu Kunden, da sind Schulungsunterlagen, da sind Telekommunikationskosten, Versicherungen zu Haftungsrisiken zu decken, Rücklagen für Rechtsstreitigkeiten zu berücksichtigen und bei aller Liebe zur selbst auferlegten Tätigkeit, warum soll man mit seinem inneren Boss einen geringeren Stundenlohn verabreden als mit jedem anderen externen Boss, der dann auch noch für einen Großteil der Sozialaufwendungen wie Rente und Krankenversicherung aufkommt.

Wären göttergattensubventionierte Unternehmerinnen ehrlich mit sich, so wüssten sie, dass ihr Unternehmen tiefrote Zahlen Jahr aus Jahr ein schreibt.

Kommen wir zur Konkurrenzsituation und zur Marktsituation. Es gibt zwei, drei Felder in denen sich vermehrt Göttergattensubventionen auf Marktpreise auswirken: Bürodienste, Telefonmanagement (Callcenter-Dienste) und Design (Web- und Grafikdesign ).

Durch die Bank, wenn ich diese “Unternehmerinnen” darauf aufmerksam mache, dass ihre Preise nicht marktfähig sind, kommen mir mit der Konkurrenzsituation. Im Sektor Bürodienstleistungen wie z.B. Schreiben nach Diktat, Daten erfassen und derlei Tätigkeiten, heißt diese Konkurrenz Student und deren Stundensätze lassen sich durch Vatis Subventionen leicht erklären. Doch selbst wenn man den Student, der primär in den Semesterferien den Markt überschwemmt berücksichtigt, so ist außerhalb der Semesterferien diese “Schwemme” weg und Frau könnte, würde sie auch nur einen Jota unternehmerisch und solidarisch denken, für den Rest der Zeit mit realistischen marktfähigen Preisen auftreten, die dann auch die saisonale Schwankung des Bedarfs in Bezug auf die Semesterferien in die Kalkulation mit einbeziehen. Statt dessen lassen sich diese Damen der Gesellschaft von Unternehmern genüßlich balbieren. Und ich habe das fiese Lächeln in deren Gesichtern gesehen. Es geht hier nicht darum, dass sich die Unternehmen diese Leistungen zu angemessenen Preisen nicht leisten könnten. Sie sehen nur nicht ein, warum sie ihren eigenen Gewinn schmälern sollten. Sie nutzen schlicht ein Angebot, das diese Damen ihnen machen.

WIR sind verantwortlich, was auf dem Markt erhältlich ist und was nicht. Ich kenne viele Unternehmen, die wollen keine ausländischen Dienstleister anheuern, ja nicht einmal Anbieter aus dem nächsten Bundesland oder aus der 100 Kilometer entfernten Hauptstadt bzw. Kreisstadt. Nicht einmal dann, wenn diese günstiger sind, solange diese Preise sich in einem realistischen Rahmen befinden. Je nach Qualifikation kostet eine Mitarbeiterin in Festanstellung das Unternehmen zwischen 60.000 und 200.000 Euro pro Jahr. Je länger die Mitarbeiterin dem Unternehmen angehört und je mehr Mitarbeiter das Unternehmen insgesamt hat, desto teuerer und schwieriger wird es, diese Mitarbeiterin wieder loszuwerden. Saisonale Spitzen abzufangen oder Leistungen zu beauftragen, die man nur wenig braucht sind also immer günstiger als diese Mitarbeiterkosten. Selbst eine Mitarbeiterin befristet zu beschäftigen zieht einen Rattenschwanz an Kosten über das einfache Gehalt hinaus nach sich. Daraus ergibt sich ein recht großer Verhandlungsspielraum, selbst wenn man keine besonderen Fähigkeiten und damit Seltenheitswert in die Verhandlungen einbringen kann.

Als Selbstständige sollte man sich wirklich nicht unter Wert verkaufen, egal welche zusätzlichen Subventionen man einstreichen kann, wie z.B. Unterhalt, Heim, Familienwagen und Taschengeld ….

PS: Wer mir mit dem Argument in den Markt einkaufen kommt, dem sei gesagt, dass sich in einen Markt mit nicht tragfähigen Preisen einkaufen nur dann Sinn macht, wenn man anschließend mehr oder minder das Monopol hat und die Preise diktieren kann, das heißt auf lange Sicht letztlich satte Gewinne machen wird.


 
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Neues KMU-Blog unter .info

Eintrag abgelegt unter: Kommunikation — von silkester um 11:53 am am Dezember 1, 2006

Ein weiteres KMU-Blog ist in der Blogosphäre: KMU-Blog.info

Herzlich Willkommen in der Blogosphäre.

Da ich aufgehört habe Umfragen zu Blogs, deren Akzeptanz und Integration ins Unternehmen auszufüllen, ich aber niemanden davon abhalten möchte seine Meinung kund zu tun, kann sich vor Ort beim Dr. Lembke um die URL der Umfrage bemühen.

Generell ist das Weblog noch sehr steril und fühlt sich wie ein Newsticker mit Kommentarfunktion an. Ich persönlich ziehe eine weniger gezügelte Sprache, die den Menschen dahinter und dessen persönliche Meinung erkennen lassen in Weblogs dem PR- und Pressemeldungstil vor.

PR- und Pressemeldungen sind so weichgespült, dass sie selten zum Gespräch einladen. Bloggen ist für mich immer noch die Verschriftlichung des Gespräches. Ergo werde ich Blogs nur als Blogs anerkennen, wenn sie sich für mich wie solche anfühlen — ein Notizzettel, den man anderen zugänglich macht, der dialogisch schreibt, der neben interessanten Links auch spannende Gedankengänge, Überlegungen und persönliche Einschätzungen enthält und vom eigenen Erleben und persönlichen Erfahrungen in der Materie (sachthemenbezogen) berichtet. Der Blogger darf abschweifen; er muss nicht abschweifen.

Noch immer gilt für mich in der ganzen Bloggerei:

“Ich kenne kein effizienteres Werkzeug im Netz, um ohne Reisekosten Fremde zu Freunden zu machen. Ein Weblog ist ein zeitlich rückwärts geordneter Gedankenpfad, auf dem sie die Autoren mitnehmen und die Leser durch ihre Kommentare mitgestalten.”

Quelle: Meine Antwort auf “warum Unternehmer bloggen sollten und es mir soviel Spass macht”, erstmals im Profil dieses Blogs publiziert, als das KMU-Blog noch ein Gemeinschaftsblog war.

Ich schaue sicherlich irgendwann wieder einmal im kmu-blog.info vorbei. Jetzt erst einmal gönne ich dem neuen Blogger die ersten 100 Tage, sich an das Bloggen und die Blogger zu gewöhnen und seinen eigenen Stil zu finden. Laut Daten des Weblogs soll das Weblog schon deutlich länger als 100 Tage am Netz sein. Das wird schon stimmen … auch wenn ich noch in keinem der üblichen Verdächtigen vom KMU-Blog.info je gelesen habe. Vielleicht will Dr. Lembke ja gar kein Blogger in meinem Sinne sein.


 
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